Was ist passiert?
Der St. Louis Lambert International Airport (STL), der größte und verkehrsreichste Flughafen im US-Bundesstaat Missouri, hat sein Videosicherheitssystem grundlegend modernisiert. Im Jahr 2025 fertigte STL mehr als 15 Millionen Passagiere ab und musste dafür ein Areal von über 6,5 Millionen Quadratmetern absichern. Mit dem Einsatz der Panomera-Multifocal-Sensortechnologie von Dallmeier gelang es, die Anzahl der benötigten Kameras um rund 90 Prozent und den Infrastrukturaufwand um etwa 75 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung zu reduzieren.
Die Details
Ausgangspunkt der Modernisierung war ein Beschluss der Betriebs- und Sicherheitsteams im Juni 2018, das bestehende Videosicherheitssystem in zwei zentralen Bereichen zu verbessern: zum einen die Überwachung der Parkbereiche zur Erhöhung der Passagiersicherheit und zur Prävention von Vandalismus und Diebstahl, zum anderen die lückenlose Überwachung der vier Start- und Landebahnen, der Rollwege sowie sämtlicher Terminalgebäude.
Der mit der Umsetzung beauftragte Integrator Tech Electronics plante ursprünglich eine Kombination aus PTZ- und Single-Sensor-IP-Kameras. Dieser Ansatz hätte mehr als 130 Kameras sowie über 42 neue Kameramasten inklusive der zugehörigen Infrastruktur für Stromversorgung, Netzwerk und Verkabelung erfordert – insbesondere im Airside-Bereich ein erheblicher technischer und finanzieller Aufwand.
Bei der Suche nach einer wirtschaftlicheren Alternative stießen die Verantwortlichen auf die Panomera-Technologie von Dallmeier, die speziell für die Überwachung großer Areale entwickelt wurde. David Kulinsky, Deputy Director of Operations & Maintenance am STL Airport, beschreibt den Moment der Erkenntnis: Eine einzige Panomera-Kamera könne große Bereiche in hoher Auflösung erfassen und mehrere Single-Sensor-Kameras samt Infrastruktur ersetzen.
Eine Testinstallation bestätigte diese Einschätzung. Kevin Hubble, Services Manager bei Tech Electronics für STL, berichtet, dass deutlich weniger Panomera-Kameras nötig waren, um mehrere PTZ- und Single-Sensor-Kameras zu ersetzen. Über die SeMSy Compact VMS Software können Anwender ein einziges hochauflösendes Gesamtbild der Szene betrachten und per digitaler PTZ-Funktion in jeden Bildbereich hineinzoomen.
Heute sind am STL Airport mehr als 27 Panomera-Kameras installiert, ergänzt durch mehrere IPS 10000 Recording Appliances und fünf Bedienarbeitsplätze mit der SeMSy Compact VMS Client Software. Besonders bemerkenswert: Für das digitale 360°-Überwachungskonzept der Airside-Bereiche – inklusive Start- und Landebahnen, Rollwegen und Vorfeldflächen – genügen lediglich zehn Panomera-Kameras.
Einordnung
Für Betreiber großer Sicherheitsareale wie Flughäfen, Industriegelände oder Logistikzentren zeigt das STL-Projekt exemplarisch, welche wirtschaftlichen und funktionalen Vorteile Multifocal-Sensortechnologie gegenüber klassischen PTZ- und Single-Sensor-Konzepten bieten kann. Während herkömmliche PTZ-Kameras stets nur den aktuell fokussierten Bildausschnitt aufzeichnen und dadurch die Gesamtübersicht einschränken, liefert Panomera ein durchgängiges hochauflösendes Gesamtbild der überwachten Fläche – bei gleichzeitig deutlich geringerem Wartungs- und Infrastrukturaufwand.
Diese Reduzierung der Total Cost of Ownership (TCO) ist besonders für Betreiber kritischer Infrastruktur relevant, die große Freiflächen überwachen müssen, ohne die Betriebskosten unkontrolliert steigen zu lassen. David Kulinsky betont, dass jedes Technologieprojekt an einem Flughafen eine Lösung liefern müsse, die effizient, ausfallsicher und langfristig leistungsfähig ist – Kriterien, die weit über die reine Sicherheitstechnik hinaus auch für andere Betreiber von Großarealen gelten.
Praxis-Tipps
- Bei der Planung von Videosicherheitssystemen für große Areale sollte frühzeitig geprüft werden, ob Multifocal-Sensortechnologien den Bedarf an Einzelkameras und zugehöriger Infrastruktur reduzieren können.
- Eine Testinstallation vor der finalen Systementscheidung – wie im Fall STL Airport praktiziert – hilft, die tatsächliche Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Lösung realistisch einzuschätzen.
- Bei der Auswahl der VMS-Software sollte auf intuitive Bedienbarkeit und digitale PTZ-Funktionen geachtet werden, damit Operatoren trotz reduzierter Kameraanzahl flexibel in Details hineinzoomen können, ohne die Gesamtübersicht zu verlieren.
- Betreiber sollten von Anfang an mitdenken, ob die installierte Videoinfrastruktur später auch für KI-gestützte Analysefunktionen wie Passagierstrom- oder Wartezeitenanalyse nutzbar sein soll.
Ausblick
Der STL Airport plant bereits die nächsten Schritte: Im Ticket-Bereich soll künftig ein Panomera V8 System für KI-gestützte Videoanalysefunktionen eingesetzt werden, um Passagierströme und Wartezeiten zu analysieren. Ziel ist es, die operative Effizienz zu steigern, Check-in-Prozesse zu optimieren und das Passagiererlebnis zu verbessern – auf Basis derselben hochauflösenden Überwachungsinfrastruktur, die bereits heute im gesamten Flughafen im Einsatz ist.
Damit zeigt sich ein klarer Trend: Videosicherheitssysteme werden zunehmend nicht nur als reine Schutzmaßnahme betrachtet, sondern als Datenbasis für betriebliche Optimierungsprozesse. Für die Sicherheitsbranche insgesamt dürfte dies weitere Impulse liefern, Überwachungsinfrastruktur von Beginn an so zu planen, dass sie sowohl klassische Sicherheitsanforderungen als auch zukünftige KI-Anwendungen bedienen kann.