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Wichtig Videoüberwachung Score: 8/10

Drohne mit Sprengvorrichtung am Flughafen Leipzig: Sicherheitslücke bei KRITIS

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde eine Drohne mit Sprengsatz entschärft. Experten fordern nun den beschleunigten Ausbau von Drohnenabwehrsystemen an Flughäfen.

Was ist passiert?

Am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei in der Nacht eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entschärft. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) wurde der Zünder der noch unbekannten Sprengvorrichtung entfernt. Ein Mitarbeiter des Flughafens hatte die Drohne auf der Start- und Landebahn Südpiste entdeckt. Der Flugbetrieb wurde daraufhin zunächst komplett eingestellt, konnte aber nach einer umfangreichen Kontrolle noch in der Nacht über die Nordpiste wieder aufgenommen werden. Die Südpiste blieb aus Wartungsgründen zusätzlich am folgenden Mittwoch gesperrt.

Parallel dazu kollidierte offenbar ein mutmaßlich zweites, unbekanntes Flugobjekt mit einem Frachtflugzeug, das wegen der zuvor erfolgten Landebahnsperrung durchstarten musste. Die Maschine wies nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen auf. Ob ein Zusammenhang zwischen diesem Objekt und der am Boden gefundenen Drohne besteht, ist bislang unklar.

Die Details

Die Ermittlungen wurden von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden sowie dem im LKA angesiedelten Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) übernommen. Eine politische Motivation wird nicht ausgeschlossen, weshalb das PTAZ eingebunden ist. Der Flughafen zählt zum Bereich der Kritischen Infrastruktur.

Der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe stellte klar, dass Unbefugte nicht ohne Weiteres auf das Rollfeld gelangen können. Es liege daher nahe, dass das Objekt aus der Luft auf den Boden gekommen sei. Die Drohne wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Nähe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor gefunden, sichergestellt und mit einem Röntgengerät untersucht. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“.

Bemerkenswert ist die Rolle des ukrainischen Luftfahrtunternehmens Antonow: Es unterhält seit 2006 eine Wartungsbasis am Flughafen Leipzig/Halle und hat infolge des russischen Angriffskriegs seine gesamte Flotte dorthin verlegt – sechs Maschinen sind aktuell stationiert. Derzeit errichtet Antonow zudem einen neuen Wartungshangar, der in der ersten Jahreshälfte 2027 fertiggestellt werden soll. Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev äußerte gegenüber Welt TV einen konkreten Verdacht: „Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“ Er verwies auf die Erfahrungen der Ukraine im Umgang mit Drohnenbedrohungen und bot Deutschland eine Zusammenarbeit an.

Der Flughafen Leipzig war bereits im Juli 2024 Ziel eines versuchten Anschlags: Ein Paket mit Brandsatz geriet damals noch am Boden im DHL-Logistikzentrum in Brand – nicht während des Fluges. Das Bundesinnenministerium konnte keinen Zusammenhang zum aktuellen Fall bestätigen, bestätigte aber, dass eine Maschine, die eigentlich in Leipzig landen sollte, durchstarten musste und dabei „anscheinend mit etwas kollidiert“ sei.

Einordnung

Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen ein. Auch in Leipzig musste der Flugverkehr in der Vergangenheit mehrfach wegen Drohnen eingestellt werden. Im vergangenen Herbst führten Drohnen-Überflüge am Flughafen München wiederholt zu Betriebseinstellungen. Als Reaktion wurde bei der Bundespolizei ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Ländern eingerichtet.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sieht in dem Vorfall eine neue Qualität der Bedrohungslage: „Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne macht unmissverständlich klar, dass unsere Sicherheit bedroht ist.“ Er fordert einen besseren Schutz der Infrastruktur und mehr finanzielles Engagement von Bund und Ländern.

Für den Bereich der Videoüberwachung und Sicherheitstechnik verdeutlicht der Fall, dass klassische Zaun- und Kamerasysteme an sensiblen Kritischen Infrastrukturen allein nicht ausreichen. Bedrohungen aus der Luft erfordern spezialisierte Detektions- und Abwehrtechnik, die über konventionelle Perimeterüberwachung hinausgeht.

Praxis-Tipps

  • Betreiber Kritischer Infrastrukturen sollten den Ausbau von Drohnendetektionssystemen priorisieren, die eine frühzeitige Erkennung unbemannter Flugobjekte im Luftraum über sensiblen Anlagen ermöglichen.
  • Eine enge Abstimmung mit Bundespolizei und den zuständigen Landeskriminalämtern ist bei Verdachtsfällen essenziell, insbesondere wenn ein Zusammenhang mit Terrorismus oder Extremismus nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Meldewege für Mitarbeiter, die verdächtige Objekte auf dem Betriebsgelände entdecken, sollten klar definiert und regelmäßig geschult werden – im vorliegenden Fall war es ein Flughafenmitarbeiter, der die Drohne fand.
  • Angesichts wiederholter Vorfälle an verschiedenen Flughäfen empfiehlt sich eine Bestandsaufnahme, inwieweit bestehende Sicherheitskonzepte auch Bedrohungen aus der Luft berücksichtigen.

Ausblick

Der Flughafenverband ADV drängt die Politik zum schnellen Handeln. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erklärte: „Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme müssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden.“ Laut ADV warten die Flughäfen Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn weiterhin auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen.

Die laufenden Ermittlungen des PTAZ und der Generalstaatsanwaltschaft Dresden sollen klären, ob eine politische Motivation hinter dem Vorfall steht und ob ein Zusammenhang zum zweiten gesichteten Flugobjekt sowie zum Vorfall aus dem Juli 2024 besteht. Der Vorfall dürfte die politische Debatte über den beschleunigten Ausbau von Drohnenabwehrsystemen an deutschen Flughäfen und anderen KRITIS-Standorten weiter befeuern.