Was ist passiert?
Kötter Security hat mit der Konferenz „State of Security 2026“ unter dem Motto „Sichere Zukunft – Unternehmensschutz im Zeitalter von KI“ eine Sicherheitskonferenz in Berlin ausgerichtet. Im Allianz Forum am Brandenburger Tor trafen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sicherheitsbehörden und Unternehmen, um über die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf den Unternehmensschutz zu diskutieren. Zu den Referenten gehörten unter anderem Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker vom Cyberintelligence Institute und Prof. Key Pousttchi vom wi-mobile Institut für Digitale Transformation.
Die Details
Friedrich P. Kötter, Verwaltungsrat der Kötter Security Gruppe, betonte in seiner Begrüßungsrede die symbolische Bedeutung des Veranstaltungsortes: Das Brandenburger Tor stehe für Wandel, gesellschaftliche Umbrüche und neue Perspektiven – Attribute, die auch auf die Sicherheitsbranche zutreffen. KI verändere Wirtschaft, Gesellschaft und Sicherheitsarchitekturen rasant und eröffne dabei sowohl Chancen als auch neue Risiken, Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten. Sie sei längst kein reiner Innovationstreiber mehr, sondern werde zunehmend zu einem elementaren Faktor im Sicherheitsmanagement – gleichzeitig aber auch zu einem Werkzeug für Angriffe.
Marvin Schulz, Mitglied des Bundestags und Ausschussmitglied für Digitales und Staatsmodernisierung, sah die Politik in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmen den Einsatz von KI-Vorteilen ermöglichen, ohne Missbrauch oder wirtschaftlichen Schaden zu riskieren. Den EU AI Act bezeichnete er als wichtiges Bekenntnis Europas, räumte aber ein, das Gesetz sei zu kompliziert, zu umfassend und zu bürokratisch. Als Reaktion darauf sei es zu Nachschärfungen gekommen, deren Ergebnis der sogenannte digitale Omnibus sei.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker warnte davor, sich vor dem KI-Einsatz nicht ausreichend mit der Technologie zu beschäftigen: „KI-Integration bedeutet nicht, dass man eine Microsoft-Copilot-Lizenz freischaltet.“ Unternehmen müssten vielmehr originäre KI-Kenntnisse mit den eigenen Daten aufbauen und festlegen, in welchen Projekten KI überhaupt eingesetzt werden soll. Entscheidend sei zudem, die Belegschaft bei der Einführung mitzunehmen.
Prof. Key Pousttchi mahnte beim Zusammenspiel von Mensch und KI zur Vorsicht: KI solle den Menschen nachahmen, doch werde damit etwas nachgebaut, das man selbst nicht vollständig verstehe. Er gab den Teilnehmenden drei Empfehlungen mit: keine Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen, Sicherheit als kontinuierlichen Prozess statt als Reaktion auf Einzelereignisse zu betrachten, und im Ernstfall stets eng mit dem IT-Sicherheitsdienstleister abzustimmen.
Dr. Carolin Schilling-Schulz, Rechtsanwältin und Partnerin bei Arnecke Sibeth Dabelstein, verwies auf zusätzliche regulatorische Anforderungen wie die NIS-2-Richtlinie, die parallel zum EU AI Act zu beachten seien. Unternehmen müssten Transparenz-, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen frühzeitig in bestehende Prozesse integrieren. Weitere Referenten waren Ralf Schneider (Deutsche Telekom Security GmbH), Franziska Weindauer (TÜV AI.Lab) und Matt Kish (Siemens AG Corporate Security).
Einordnung
Die Konferenz macht deutlich, dass sich der Unternehmensschutz an einem Wendepunkt befindet: KI ist nicht mehr nur ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung, sondern agiert zunehmend eigenständig und wird gleichzeitig selbst zur Angriffswaffe. Diese Doppelrolle stellt Sicherheitsverantwortliche vor die Aufgabe, physische und digitale Schutzkonzepte enger zu verzahnen, da die Grenzen zwischen beiden Bereichen laut Friedrich P. Kötter immer stärker verschwimmen. Für die Sicherheitsbranche insgesamt bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: weg von reiner Objekt- und Perimetersicherung, hin zu ganzheitlichen Resilienzstrategien, die technische Systeme, Datensicherheit und rechtliche Compliance gleichermaßen einbeziehen.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen – EU AI Act und NIS-2-Richtlinie – verdeutlichen zudem, dass Unternehmenssicherheit zunehmend zu einer Frage strategischer Unternehmensführung wird, nicht nur operativer Umsetzung. Die Kritik am EU AI Act als zu bürokratisch, verbunden mit dem digitalen Omnibus als Nachschärfung, zeigt, dass die politischen Instrumente noch in der Feinjustierung sind – für Unternehmen bedeutet das anhaltende Unsicherheit bei der praktischen Umsetzung.
Praxis-Tipps
- KI-Integration nicht auf die bloße Aktivierung von Software-Lizenzen reduzieren, sondern eigene KI-Kompetenzen im Unternehmen mit den eigenen Daten aufbauen.
- Vor dem Einsatz klar festlegen, in welchen Projekten und Prozessen KI überhaupt sinnvoll eingebunden werden soll.
- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv in die KI-Einführung einbeziehen, um eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI zu ermöglichen.
- Sicherheit als kontinuierlichen Prozess verstehen statt nur auf einzelne Ereignisse zu reagieren – ein angemessenes, zeitgemäßes Sicherheitsniveau muss dauerhaft sichergestellt sein.
- Klare, durchdachte Prozesse für die Abstimmung mit dem IT-Sicherheitsdienstleister definieren, damit im Ernstfall schnell und koordiniert reagiert werden kann.
- Regulatorische Vorgaben wie EU AI Act und NIS-2-Richtlinie frühzeitig als strategischen Bestandteil der Unternehmensentwicklung begreifen, nicht als nachträgliche Pflichtübung.
Ausblick
Marvin Schulz verwies auf die neue Generation im Deutschen Bundestag, die für Fachexpertise aus der Wirtschaft offen sei, und lud die Konferenzteilnehmenden explizit zum Austausch mit der Politik ein. Dies deutet darauf hin, dass die Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen – etwa im Zuge des digitalen Omnibus – in den kommenden Monaten und Jahren weiter Thema bleiben wird. Für Unternehmen und Sicherheitsdienstleister bedeutet das, dass sowohl die technische Anpassung an KI-gestützte Bedrohungslagen als auch die Beobachtung der rechtlichen Entwicklungen rund um EU AI Act und NIS-2-Richtlinie auf der Agenda bleiben müssen. Die Diskussionen der State of Security 2026 legen nahe, dass Unternehmenssicherheit zukünftig noch stärker als interdisziplinäres Zusammenspiel aus Technik, Recht und Organisation verstanden werden muss.