Was ist passiert?
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) für das Jahr 2025 vorgelegt – und sie markieren einen historischen Höchststand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001. Insgesamt wurden 85.837 politisch motivierte Straftaten registriert, ein Anstieg von rund 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits 2024 war erstmals die Schwelle von 80.000 Fällen überschritten worden. Auch die Gewalttaten in diesem Bereich nahmen zu: Mit 4.156 Delikten stieg ihre Zahl um etwa 1,2 Prozent.
Besonders auffällig ist der Zuwachs im Bereich PMK-links, während der Rechtsextremismus zahlenmäßig weiterhin die größte Fallgruppe bleibt. Zudem verzeichnet das BKA eine anhaltend hohe Zahl an Hasskriminalität im Netz.
Die Details
Der Gesamtanstieg der PMK-Zahlen 2025 geht laut BKA vor allem auf die Entwicklung im Bereich PMK-links zurück: Hier stiegen die registrierten Straftaten um über 35 Prozent auf 13.490 Delikte (2024: 9.971). Noch deutlicher fällt der Anstieg bei den Gewaltdelikten aus – diese legten um mehr als 42 Prozent auf 1.087 Fälle zu (2024: 762).
Der Phänomenbereich PMK-rechts bleibt mit 42.544 Straftaten – etwa der Hälfte aller erfassten Delikte – weiterhin die mit Abstand fallzahlenstärkste Kategorie, wenngleich die Gesamtzahl leicht rückläufig ist (2024: 42.788). Die Gewaltstraftaten in diesem Bereich stiegen jedoch um mehr als 7 Prozent.
Im Bereich der Hasskriminalität wurden 22.159 Fälle registriert (2024: 21.773) – ein weiterhin hohes Niveau. Knapp ein Drittel dieser Straftaten wurde im Internet begangen. Die konstant hohe Zahl fremdenfeindlicher Delikte (2025: 19.484, 2024: 19.481) bleibt der wesentliche Treiber, wobei 73,7 Prozent dieser Straftaten dem Bereich PMK-rechts zugeordnet wurden. Antisemitische Straftaten stiegen um 5,0 Prozent auf 6.548 Fälle, davon stehen 47,2 Prozent im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt.
Auch gruppenspezifische Feindlichkeit nahm zu: Frauenfeindliche Straftaten stiegen um 46,8 Prozent auf 819 Fälle (2024: 558) und erreichten damit einen neuen Höchstwert. Queerfeindliche Delikte wuchsen um 12,8 Prozent auf 2.377 Fälle und setzen damit einen mehrjährigen Trend fort.
Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger gingen leicht zurück auf 5.797 Fälle (2024: 6.059), bleiben aber auf hohem Niveau. Das begleitende Kommunale Monitoring (KoMo) des BKA zeigt zudem, dass von einer hohen Dunkelziffer bei Anfeindungen gegen Amtsträger auszugehen ist. Straftaten gegen die Polizei stiegen um 4,7 Prozent auf 5.144 Fälle, wobei rund ein Drittel dem Bereich PMK-links zuzurechnen ist. Die Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte im linken Spektrum nahmen dabei um rund 45 Prozent auf 535 Fälle zu.
Einordnung
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bewertet die Zahlen als Ausdruck einer wachsenden Bedrohung aus mehreren Richtungen: Sowohl im linken als auch im rechten Spektrum steigen die Gewaltdelikte deutlich. Er verweist darauf, dass die linke Szene mit einem Plus von 42 Prozent bei Gewalttaten eine wachsende Bedrohung darstellt, während die mit Abstand meisten Delikte weiterhin von rechten und rechtsextremen Tätern verübt werden – womit der Rechtsextremismus laut Dobrindt die größte aktuelle Gefahr bleibt.
BKA-Präsident Holger Münch benennt Soziale Medien als wesentlichen Treiber der gesellschaftlichen Polarisierung. Über sie würden Hass, Hetze und Propaganda verbreitet, was Radikalisierungsprozesse beschleunige und im schlimmsten Fall zu schweren Straftaten im analogen Raum führe. Gleichzeitig verweist Münch auf eine sich verschärfende Bedrohung von außen durch Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und staatsterroristische Aktivitäten.
Für die Sicherheitsbranche und Betreiber öffentlicher wie kommunaler Einrichtungen sind diese Entwicklungen relevant, da sie zeigen, dass Gewaltbereitschaft gegenüber Repräsentanten des Staates, Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen zunimmt. Dies betrifft nicht nur Amtsträger und Polizei, sondern auch Objekte, die im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Konfliktlinien stehen.
Praxis-Tipps
- Kommunen und öffentliche Einrichtungen sollten die Ergebnisse des Kommunalen Monitorings (KoMo) als Anlass nehmen, bestehende Sicherheitskonzepte für Amtsträger und Verwaltungsgebäude zu überprüfen.
- Angesichts der hohen Dunkelziffer bei Anfeindungen gegen Amtsträger empfiehlt sich eine systematische Erfassung und Meldung von Vorfällen, um Gefährdungslagen realistisch einschätzen zu können.
- Betreiber von Einrichtungen mit Publikumsverkehr sollten die Zunahme queer- und frauenfeindlicher Straftaten bei der Risikobewertung berücksichtigen, insbesondere bei Veranstaltungen mit entsprechendem gesellschaftlichem Bezug.
- Da ein erheblicher Teil der Hasskriminalität im Internet stattfindet, sollten Organisationen auch digitale Kommunikationskanäle in ihr Sicherheitsmonitoring einbeziehen.
Ausblick
Das BKA kündigt an, die Kriminalitätsentwicklung weiterhin genau zu verfolgen und die eigenen Ermittlungs- sowie Zentralstellenkapazitäten zu stärken. Bundesinnenminister Dobrindt betonte, dass sich die Bundesregierung gegen jede Form von Extremismus stellt und die Instrumente gegen extremistische Bedrohungen weiter ausbauen will. Angesichts der parallel steigenden Bedrohung durch Cyberangriffe, Spionage und Sabotage ist davon auszugehen, dass Sicherheitsbehörden ihre Kapazitäten sowohl im analogen als auch im digitalen Raum weiter anpassen werden. Für die Sicherheitsbranche dürfte dies bedeuten, dass Schutzkonzepte künftig verstärkt beide Dimensionen – physische Sicherheit und digitale Prävention – gemeinsam adressieren müssen.