Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Menü
Wichtig Einbruchschutz Score: 8/10

KRITIS ohne Drohnenschutz: Betreiber erkennen Gefahr, handeln aber nicht

Über die Hälfte der KRITIS-Betreiber meldet unautorisierte Drohnenflüge – doch fast jeder Zweite verzichtet weiterhin auf Detektionsmaßnahmen.

Was ist passiert?

Eine aktuelle Umfrage des Unternehmens Droniq und des Bundesverbands für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) offenbart eine erhebliche Sicherheitslücke bei deutschen Betreibern Kritischer Infrastrukturen (KRITIS). Demnach berichteten 54,7 Prozent der 104 befragten Teilnehmer von unautorisierten oder sicherheitsrelevanten Drohnenflügen in den vergangenen zwölf Monaten. Trotz dieser konkreten Vorfälle hat fast die Hälfte (46,5 Prozent) der betroffenen Organisationen bislang keinerlei Maßnahmen zur Drohnendetektion umgesetzt.

Die im August durchgeführte Umfrage zeigt damit, so Droniq und BSKI, „eine Lücke zwischen Risikowahrnehmung und Vorbereitung“.

Die Details

Die Wahrnehmung der Bedrohung durch Drohnen ist bei den Befragten grundsätzlich vorhanden: 46,2 Prozent sehen Drohnen bereits heute als reale Bedrohung an, weitere 36,5 Prozent gehen davon aus, dass Drohnen künftig zu einer Bedrohung werden könnten. Als größte Risiken werden Sabotage (46,5 Prozent) und die Störung von Betriebsabläufen (39,5 Prozent) genannt. Spionage (7 Prozent) und Datenschutzrisiken (5,8 Prozent) spielen in der Einschätzung der Teilnehmer eine deutlich geringere Rolle.

An der Umfrage nahmen Unternehmen und Institutionen aus verschiedenen KRITIS-Sektoren teil: Staat/Verwaltung (31 Teilnehmer), Transport/Verkehr (31), Energie (17), IT/Telekommunikation (15), Wasser (5), Gesundheit (2), Weltraum (2) und Ernährung (1).

Jan-Eric Putze, Geschäftsführer von Droniq, einem Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und Deutscher Flugsicherung, betont die Notwendigkeit einer umfassenden Luftraumüberwachung: „Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen wissen, was in ihrem Luftraum passiert.“ Entscheidend sei dabei nicht nur die reine Erkennung von Drohnen, sondern auch die Fähigkeit zu beurteilen, welche Fluggeräte sich berechtigterweise im Luftraum aufhalten dürfen und welche nicht.

Einordnung

Das Thema Drohnendetektion hat durch einen konkreten Vorfall zusätzlich an politischer Brisanz gewonnen: Der Fund einer Bombendrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle hat das Thema mit hoher Priorität auf die politische Agenda gesetzt. Dieser Vorfall verdeutlicht, dass die in der Umfrage geäußerten Sorgen keineswegs theoretischer Natur sind, sondern reale Sicherheitsrisiken für Kritische Infrastrukturen darstellen.

Als direkte Reaktion kündigte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) bei einem Besuch des Towers der Deutschen Flugsicherung (DFS) am Frankfurter Flughafen im August an, dass in den An- und Abflugbereichen der großen deutschen Flughäfen kurzfristig eine Interimstechnik der DFS zum Einsatz kommen soll. Ziel ist es, Drohnen künftig schneller und früher zu entdecken.

Für die Sicherheitsbranche insgesamt zeigt diese Entwicklung, dass klassische Perimeterschutzkonzepte um eine dreidimensionale Komponente erweitert werden müssen. Wer bislang nur bodennahe Bedrohungen im Blick hatte, steht nun vor der Herausforderung, auch den Luftraum über sensiblen Anlagen wirksam zu überwachen.

Praxis-Tipps

  • Betreiber Kritischer Infrastrukturen sollten prüfen, ob in ihrem Umfeld bereits unautorisierte Drohnenflüge stattgefunden haben – die Umfrage legt nahe, dass dies bei einer Mehrheit der Organisationen bereits der Fall ist.
  • Eine reine Erkennung von Drohnen reicht nicht aus. Wichtig ist laut Droniq-Geschäftsführer Putze auch die Fähigkeit zur Beurteilung, welche Flüge autorisiert sind und welche nicht.
  • Angesichts der als größte Risiken genannten Sabotage und Störung von Betriebsabläufen sollten Schutzkonzepte insbesondere auf diese Bedrohungsszenarien ausgerichtet werden.
  • Betreiber sollten die politische und regulatorische Entwicklung im Blick behalten, da nach dem Leipziger Vorfall mit weiteren Vorgaben für Flughäfen und möglicherweise andere KRITIS-Bereiche zu rechnen ist.

Ausblick

Die angekündigte Interimstechnik der Deutschen Flugsicherung an den An- und Abflugbereichen großer deutscher Flughäfen markiert einen ersten konkreten Schritt der Politik, auf die gestiegene Bedrohungslage zu reagieren. Es ist davon auszugehen, dass sich der Handlungsdruck auf weitere KRITIS-Betreiber außerhalb des Flughafenbereichs ausweiten wird, da die Umfrageergebnisse eine branchenübergreifende Schutzlücke offenbaren.

Die Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und tatsächlich umgesetzten Schutzmaßnahmen dürfte in den kommenden Monaten weiter im Fokus von Verbänden, Politik und Sicherheitsdienstleistern stehen. Für Betreiber Kritischer Infrastrukturen aus den unterschiedlichen Sektoren – von Energie über Wasser bis Gesundheit – bedeutet dies, dass Investitionen in Drohnendetektionssysteme mittelfristig kaum zu umgehen sein werden, wenn Sabotage und Betriebsstörungen wirksam verhindert werden sollen.