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Wichtig cybersecurity Score: 8/10

Hybride Angriffe auf Bundeswehr und KRITIS nehmen zu

Cyberangriffe, Drohnen und Desinformation gefährden deutsche Infrastruktur. Vier Länder als Hauptverursacher identifiziert. NATO übt Cyberabwehr.

Hybride Angriffe auf Bundeswehr und Kritische Infrastruktur nehmen deutlich zu

Seit 2022 verzeichnet Deutschland einen spürbaren Anstieg hybrider Angriffe auf die Bundeswehr und kritische Infrastrukturen. Dies bestätigte Vizeadmiral Thomas Daum, Bundeswehr-Inspekteur Cyber- und Informationsraum, bei der NATO-Cyberabwehrübung Locked Shields im niederrheinischen Kalkar. Die Bedrohungslage hat sich grundlegend verschärft und umfasst neben klassischen Cyberangriffen auch Drohnen-Einsätze, Desinformationskampagnen und physische Sabotage-Maßnahmen.

Was ist passiert? – Kernfakten der aktuellen Bedrohungslage

Die Cyberangriffe richten sich gezielt gegen zwei Bereiche: Bundeswehr-Rechenzentren im Inland sowie Truppen im Ausland. Ein konkretes Beispiel zeigt die Situation in Litauen, wo stationierte Bundeswehr-Soldaten von Abhörversuchen bei Telefongesprächen berichten. Besonders bemerkenswert ist die parallele Durchführung von Desinformationskampagnen – so wurden etwa falsche Behauptungen über Kontingentführer verbreitet, um Verwirrung und Destabilisierung zu erreichen.

Neben den digitalen Angriffen dokumentieren Datenschützer auch physische Bedrohungen: Drohnen-Sichtungen im sensiblen Bereich von Kasernen, Eindringversuche, Beschädigungen von Datenkabeln und Versorgungsleitungen in der Ostsee sowie gezielte Störungen des GPS-Systems. Diese koordinierte Vorgehensweise weist auf eine planmäßige Kampagne zur Destabilisierung deutscher Verteidigungsstrukturen hin.

Die Details – Hintergründe und Umfang der Bedrohungen

Nach Aussagen eines Bundeswehrsprechers sind vier Länder als Hauptverursacher dieser hybriden Angriffe identifiziert worden: Russland, China, Iran und Nordkorea. Diese Länder operieren mit unterschiedlichen Taktiken und Zielsetzungen, koordinieren ihre Aktivitäten aber teilweise ab.

Die Angriffsmethoden sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Ziel. Während gegen Rechenzentren primär Cyberangriffe erfolgen, richten sich Operationen gegen Auslandstruppen auf psychologische Beeinflussung und Verunsicherung. Das Litauen-Beispiel verdeutlicht diese Strategie: Nicht nur die technische Infrastruktur wird angegriffen, sondern auch das Vertrauen und die Moral der Soldaten durch gezielt verbreitete Falschinformationen.

Die maritimen Infrastrukturen sind ebenfalls im Visier. Beschädigungen von Datenkabeln und Versorgungsleitungen in der Ostsee deuten auf konzertierte Sabotage-Maßnahmen hin, die die digitale Konnektivität und Energieversorgung beeinträchtigen sollen.

Kritische Infrastruktur im Fokus – Das KRITIS-Netzwerk unter Druck

Zur kritischen Infrastruktur (KRITIS) in Deutschland zählen große Energieversorger, Banken und IT-Dienstleister. Nach Schätzungen umfasst das KRITIS-Netzwerk mehr als 29.000 Unternehmen. Die potenziellen Angriffsflächen sind damit erheblich.

Ein warnendes Beispiel liefert die Ukraine: Kurz vor dem großflächigen Angriff Russlands wurden dort Einwohnermeldeämter attackiert mit dem Ziel, Bevölkerungsdaten zu löschen und eine organisierte Mobilisierung zu behindern. Dieses Szenario zeigt, dass auch Behörden und Verwaltungseinrichtungen in den Fokus von Cyberangriffen geraten können – nicht nur private Unternehmen.

Die Ukraine konnte sich durch rechtzeitige Sicherung ihrer Daten schützen. Dies unterstreicht die Bedeutung umfassender Backup- und Kontinuitätsmaßnahmen für all jene Organisationen, die zur kritischen Infrastruktur gehören.

Einordnung – Warum ist diese Entwicklung relevant?

Die zunehmenden hybriden Angriffe auf Bundeswehr und KRITIS markieren einen Wendepunkt in der Bedrohungswahrnehmung. Nicht mehr nur einzelne Cyberangriffe sind das Problem, sondern koordinierte Kampagnen, die digitale und physische Maßnahmen, Desinformation und psychologische Beeinflussung kombinieren. Diese Vorgehensweise erschwert Abwehr und Reaktion erheblich.

Für Betreiber kritischer Infrastrukturen bedeutet dies, dass traditionelle Sicherheitskonzepte nicht mehr ausreichen. Die Bedrohungen sind asymmetrisch, mehrdimensional und teilweise schwer zuzuordnen. Ein reiner Fokus auf Cybersicherheit greift zu kurz – physischer Schutz von Infrastrukturelementen, Informationssicherheit und Resilienz-Planung sind gleichermaßen wichtig.

NATO-Übung Locked Shields – Die größte multinationale Cyberabwehr-Übung

Als Reaktion auf diese Bedrohungen führt die NATO die Übung Locked Shields durch. An dieser derzeit weltweit größten und komplexesten multinationalen Cyberabwehr-Übung beteiligen sich etwa 40 Nationen, darunter die Cybertruppe der Bundeswehr.

Die Übung simuliert Echtzeitangriffe eines „Team Rot", die von einem „Team Blau" abgewehrt werden müssen. Neben militärischen Kräften sind auch zivile Akteure beteiligt: deutsche Polizei- und Sicherheitsbehörden sowie IT-Fachleute von Unternehmen wie der Telekom. Dies verdeutlicht, dass Cyberabwehr heute ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist und nicht allein in staatlicher Hand liegen kann.

Praxis-Tipps – Handlungsempfehlungen für KRITIS-Betreiber

Basierend auf der dargestellten Bedrohungslage ergeben sich mehrere konkrete Handlungsfelder:

  • Datenicherung und Redundanz: Das Ukraine-Beispiel zeigt die kritische Wichtigkeit regelmäßiger, getesteter Backups. KRITIS-Betreiber sollten Daten mehrfach und räumlich verteilt sichern.
  • Physischer Schutz: Datenkabel, Versorgungsleitungen und Kasernen-Perimeter benötigen verstärkten Schutz. Zugangskontrolle und Überwachung sind essentiell.
  • Schulung und Sensibilisierung: Mitarbeiter müssen über Desinformationskampagnen und Social-Engineering-Versuche aufgeklärt werden.
  • Incident Response planen: Szenarien hybrider Angriffe sollten durchgespielt und Reaktionsprotokolle etabliert sein.
  • Nationale und internationale Zusammenarbeit: Der Austausch von Threat Intelligence mit Behörden und Partnern ist unerlässlich.

Ausblick – Weitere Entwicklungen und Anforderungen

Die steigende Frequenz und Komplexität hybrider Angriffe werden die Sicherheitsanforderungen in Deutschland deutlich erhöhen. Die Bundeswehr und zivile Behörden werden ihre Cyberabwehr-Kapazitäten weiter ausbauen müssen.

Der Fokus liegt auf Resilienz statt Perfektion: Es geht nicht darum, alle Angriffe vollständig zu verhindern, sondern um die Fähigkeit, schnell reagieren und sich von Angriffen erholen zu können. Die NATO-Übung Locked Shields ist ein Schritt in diese Richtung, muss aber durch kontinuierliche operative Anpassungen ergänzt werden.

Für private KRITIS-Betreiber heißt dies konkret: Investitionen in Cybersicherheit sind nicht optional, sondern strategisch notwendig. Sie schützen nicht nur das einzelne Unternehmen, sondern tragen auch zur Resilienz der gesamten deutschen Infrastruktur bei – eine Verantwortung, die in Zeiten hybrider Bedrohungen schwerer wiegt denn je.