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Wichtig Cybersecurity Score: 8/10

BSI-Studie: Jeder neunte Deutsche Opfer von Cyberkriminalität

11% der Internetnutzer wurden 2025 Opfer von Online-Betrug. Onlineshopping-Betrug führt mit 22% die Deliktsliste an. Viele unterschätzen weiterhin die Risiken.

Alarmierende Zahlen: Cyberkriminalität erreicht jeden neunten Deutschen

Die neuesten Zahlen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeichnen ein besorgniserregendes Bild der digitalen Sicherheitslage in Deutschland. Der aktuelle Cybersicherheitsmonitor 2026 (CyMon), der gemeinsam mit der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) erstellt wurde, offenbart eine hohe Betroffenheitsquote bei Cyberkriminalität.

Jeder neunte Internetnutzer (11 Prozent) wurde im vergangenen Jahr Opfer von Straftaten im digitalen Raum. Noch dramatischer wird das Bild, wenn man den gesamten Lebenszeitraum betrachtet: Mehr als jeder vierte Deutsche (27 Prozent) war bereits mindestens einmal von Cyberkriminalität betroffen. Diese Zahlen basieren auf einer repräsentativen Umfrage unter 3060 Personen ab 16 Jahren, die im Januar 2026 bundesweit durchgeführt wurde.

Onlineshopping-Betrug dominiert die Deliktsliste

Die Analyse der verschiedenen Straftatenarten zeigt deutlich, wo Cyberkriminelle besonders häufig zuschlagen. Mit 22 Prozent ist der Betrug beim Online-Einkauf das am weitesten verbreitete Delikt unter den Betroffenen. Für Verbraucher bedeutet dies ein erhebliches Risiko beim alltäglichen Onlineshopping.

Auf den weiteren Plätzen folgen:

  • Unberechtigter Fremdzugriff auf Online-Accounts (14 Prozent)
  • Betrug beim Onlinebanking (13 Prozent)
  • Phishing-Angriffe (12 Prozent)

Diese Verteilung zeigt, dass Kriminelle vor allem dort aktiv sind, wo finanzielle Transaktionen oder sensible persönliche Daten im Spiel sind. Besonders der hohe Anteil beim Onlineshopping-Betrug unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter Schutzmaßnahmen im E-Commerce-Bereich.

Hohe Schadensbilanz bei den Opfern

Für die Opfer von Cyberkriminalität bleiben die Angriffe keineswegs folgenlos. Fast neun von zehn Betroffenen (88 Prozent) erlitten einen Schaden. Die Auswirkungen sind dabei vielfältig und gehen über reine Geldverluste hinaus:

  • Ein Drittel der Opfer (33 Prozent) erlitt finanzielle Verluste
  • 29 Prozent verzeichneten Vertrauensverluste in Onlinedienste
  • 23 Prozent beklagten verlorene Zeit durch die Bewältigung der Folgen

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Cyberkriminalität nicht nur unmittelbare materielle Schäden verursacht, sondern auch langfristige psychologische und praktische Konsequenzen für die Betroffenen hat. Der Vertrauensverlust in digitale Dienste kann dabei die digitale Teilhabe der Opfer nachhaltig beeinträchtigen.

Gefährliche Sorglosigkeit trotz hoher Betroffenheitsquote

Paradoxerweise zeigt die Studie eine beunruhigende Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Bedrohungslage und der Risikowahrnehmung der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) schätzt das persönliche Risiko, Opfer von Cyberkriminalität zu werden, als gering ein oder schließt es sogar völlig aus.

Diese Fehleinschätzung spiegelt sich auch im Informationsverhalten wider: Lediglich 14 Prozent der Befragten informieren sich regelmäßig über Cybersicherheit. 40 Prozent beschäftigen sich nur gelegentlich mit dem Thema. Diese Zurückhaltung bei der aktiven Informationsbeschaffung steht in krassem Gegensatz zur realen Bedrohungslage.

Unzureichende Schutzmaßnahmen in der Praxis

Bei der Umsetzung konkreter Schutzmaßnahmen offenbart sich ein weiteres Problem. Von 19 vorgeschlagenen Sicherheitsvorkehrungen sind der Mehrheit der Befragten lediglich starke Passwörter und Antivirenprogramme bekannt. Selbst diese grundlegenden Maßnahmen werden nur von 46 beziehungsweise 40 Prozent der Internetnutzer tatsächlich eingesetzt.

Als Haupthindernisse für besseren Schutz nannten die Befragten:

  • Trügerisches subjektives Sicherheitsgefühl (27 Prozent)
  • Wahrnehmung der Maßnahmen als zu kompliziert (23 Prozent)
  • Überforderung durch die Komplexität (23 Prozent)

Reaktionen nach einem Cyberangriff

Wenn es bereits zu einem Angriff gekommen ist, reagieren die Opfer unterschiedlich. 32 Prozent erstatten Anzeige bei der Polizei, während 35 Prozent den Betreiber des jeweiligen Dienstes kontaktieren. Diese Zahlen zeigen, dass die Meldebereitschaft bei Cyberkriminalität durchaus vorhanden ist, auch wenn nicht alle Fälle zur Anzeige gebracht werden.

Forderungen nach einfacheren Sicherheitslösungen

Die Studienergebnisse führten zu klaren Forderungen der Verantwortlichen. Stefanie Hinz, Vorsitzende des ProPK, betonte bei der Vorstellung der Studie, dass Cyberkriminalität durch gefälschte E-Mails oder Betrug beim Einkauf längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner forderte, Cybersicherheit müsse im Alltag "einfacher, präsenter und verständlicher werden". Dabei nahm sie auch die Industrie in die Pflicht: "Hersteller und Anbieter digitaler Geräte und Anwendungen müssen sichere Produkte und Dienste zum Standard machen."

Ausblick: Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels

Die Ergebnisse des Cybersicherheitsmonitors 2026 verdeutlichen die Dringlichkeit eines Paradigmenwechsels in der digitalen Sicherheit. Während die Bedrohungslage kontinuierlich zunimmt, bleiben sowohl das Bewusstsein als auch die präventiven Maßnahmen der Nutzer unzureichend.

Die hohen Schadenszahlen und die gleichzeitig geringe Risikowahrnehmung zeigen, dass traditionelle Aufklärungs- und Informationsansätze allein nicht ausreichen. Stattdessen sind systemische Lösungen gefordert, die Sicherheit von vornherein in digitale Produkte und Dienstleistungen integrieren.

Für Unternehmen und Institutionen bedeutet dies, dass Cybersicherheit nicht länger als nachgelagerte Überlegung behandelt werden kann, sondern als integraler Bestandteil der digitalen Transformation verstanden werden muss. Nur durch die Kombination aus benutzerfreundlichen Sicherheitstechnologien, verbesserter Aufklärung und systemischen Schutzmaßnahmen kann die wachsende Bedrohung durch Cyberkriminalität wirksam bekämpft werden.